Call for Papers

Der Call for Papers für die 11. Fachtagung Klinische Sozialarbeit 2022 wurde verlängert bis zum 6. Dezember 2021.

Klinische Soziale Arbeit ist darauf ausgerichtet, Klient*innen sozial-professionell dabei zu unterstützen, ihre Gesundheit zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Anzunehmen ist, dass die Wirkungen der Zusammenarbeit von Klient*innen und Sozialarbeiter*innen nicht zufällig zustande kommen, dass also Regelmässigkeiten der Wirkungserzeugung bestehen. Sobald der Gegenstand «Wirkung» aber genauer gefasst werden soll, stellen sich viele Fragen und Kontroversen brechen auf. So steht u. a. zur Debatte, was genau unter Wirkungen verstanden wird, wie präzise Wirkungen der Sozialen Arbeit erfasst und erklärt werden können und wie nützlich wirkungsbezogene Aussagen für wen sind. Fragen der Effektivität und Effizienz werden zu bestehenden Dienstleistungsangeboten gestellt, aber auch aufgeworfen, wenn innovative Angebote und Finanzierungsmodelle entwickelt werden.

Die Tagung widmet sich dem facettenreichen Thema «Wirkung» und adressiert Fach- und Führungskräfte, Wissenschaftler*innen und Entscheidungsträger*innen (in übergeordneten Gremien, Verwaltung und Politik). Die Tagung bietet eine Plattform, Wirkungsforschung und -evaluation sowie Wirkungsorientierung in der Praxis zu diskutieren, Potenziale und Perspektiven auszuloten und den Dialog von Wissenschaft, Praxis und Politik zu fördern. Mit diesem Call rufen wir dazu auf, Vorschläge für Beiträge an der Tagung zu machen. Sie können Ihre Vorschläge einem oder mehreren der folgenden Themenbereiche zuordnen:

Wirkungsorientierung in der Praxis: Erfahrungen und Herausforderungen
Von Interesse ist, welche Rolle die Wirkungsorientierung in der heutigen Praxis der Sozialen Arbeit spielt, welche Erfahrungen, Erwartungen und Herausforderungen vorliegen. Dienstleistungen Sozialer Arbeit werden – im individuellen Arbeitsbündnis und auf organisationaler Ebene – auf unterschiedliche Arten und Weisen geplant, durchgeführt und ausgewertet. Offen erscheint, welche Formen und welche Ausmasse der Standardisierung von Interventionen und der Erfassung von Wirkungen möglich bzw. zielführend sind. Es stellt sich aber auch die Frage, ob eine gute Ausbildung der Fachkräfte, die Beschreibungen guter Praxis (oder best practice) sowie Systeme der Qualitätssicherung und -entwicklung hinreichend verlässlich die gewünschten Wirkungen bei der Zielgruppe hervorbringen. Wie wird gute und effektive Soziale Arbeit erreicht? Wie können die Herausforderungen der Wirkungsorientierung im professionellen Handeln und im organisationalen Kontext angegangen werden?

Wirkungsforschung und -evaluation: Lessons learned und Perspektiven
Auch die Wirkungsforschung und -evaluation der Sozialen Arbeit steht vor grossen Herausforderungen (z. B. Heterogenität von Indikatoren, «subjektiv wahrgenommene» versus «objektiv messbare» Wirkung, Validität und Reliabilität von Instrumenten, Bedeutung der Kontexte der Intervention und der Lebensweltkontexte etc.). Die Forschungsdesigns anderer Disziplinen (z. B. Kontrollgruppenexperiment) können nicht ohne weiteres auf das Feld der Sozialen Arbeit übertragen werden. Welche Ansätze zur Erforschung und Evaluation von Wirkung sind mit welchen Erfahrungen ausprobiert worden, welche Ansätze sind vielversprechend (z. B. Single Case (N=1) Designs, qualitative Studien, Registerforschung)?

Datenerhebung und -auswertung: Kooperation von Wissenschaft und Praxis
Eine zentrale Aufgabe der Wirkungsforschung und Wirkungsorientierung ist die Erhebung und Auswertung geeigneter Daten. Die Entwicklung wissenschaftlicher Instrumente der Datenerhebung und -auswertung und die Entwicklung geeigneter Voraussetzungen in Organisationen (z. B. die Qualifikation der Mitarbeitenden) erfordert die Kooperation von Wissenschaft und Praxis und gemeinsame, auf die Interessen beider Seiten abgestimmte Projekte der Verfahrensentwicklung. Kann die Auswertung bereits vorhandener, ohnehin erhobener fall- und leistungsbezogener Daten («data mining») zu validen Aussagen über Wirkungen führen? Können Systeme der regelmässigen Erhebung geeigneter Daten in der alltäglichen Praxis («Monitoring», Register) mit vertretbarem Aufwand implementiert werden?

Kritische Perspektiven: Kritik der und Kritik durch die Wirkungsforschung
Die Thematisierung von Wirkungen (in) der Sozialen Arbeit steht in der Kritik. Neben kritischen fachwissenschaftlichen Fragen, z. B., ob die Erforschung von Wirkungen die Komplexität der Sozialen Arbeit zu sehr reduziert, steht vor allem die Kritik der Ökonomisierung im Raum. Lässt sich die fachwissenschaftliche Frage nach Wirksamkeit (Effektivität) und die ökonomische Frage nach der Kosten-Nutzen-Relation (Effizienz) trennen? Ist Wirkungsorientierung eine Chance für fachlich fundierte Managemententscheidungen oder ein Risiko für Stellenabbau? Umgekehrt kann auch die Wirkungsforschung kritische Fragen an die Praxis beinhalten: Entsprechen die Ergebnisse den Erwartungen? Wird den Klient*innen die am meisten erfolgversprechende Interventionspraxis angeboten? Ist die professionelle Praxis unbedenklich, bzw. welche Risiken, Nebenwirkungen oder gar Schäden sind möglich? Wie werden unbeabsichtigte und unerwünschte Effekte in der Praxis aufgearbeitet?

Gesellschaftliche und professionspolitische Zusammenhänge: die kommunikative und strategische Dimension der Wirkung 
Aussagen zu Wirkungen können unterschiedlich kommuniziert und verwendet werden. Wirkung erscheint als ein gesellschaftlich und politisch relevantes und brisantes Thema, auf das sich öffentliche Debatten und politische Entscheidungen im Gesundheitswesen, aber auch in vielen anderen Gesellschaftsbereichen (z. B. bei der Kriminalitätsprävention) beziehen. Wie sollen Ergebnisse, aber auch Besonderheiten und Grenzen der Wirkungsforschung und -evaluation Sozialer Arbeit kommuniziert werden? Sind Wirkungsnachweise der richtige Weg, um bisherige oder zukünftige Aktivitäten der Sozialen Arbeit zu legitimieren? Aber auch andersherum gefragt: Kann der Anspruch auf Professionalität aufrechterhalten werden, ohne Interventionen und deren Wirkungen zu erforschen und öffentlich zu thematisieren?

Beitrag einreichen

  • Beitragsformate: Willkommen sind Panels mit mehreren Beiträgen, Einzelbeiträge und Poster.
  • Eingabe: Ihre Beiträge können Sie bis zum 6. Dezember 2021 online hier einreichen. Bei der Beitragseinreichung im Converia Konferenz Management Tool laden Sie Ihr Abstract hoch.
  • Der wissenschaftliche Beirat der Fachtagung Klinische Sozialarbeit behält sich vor, eine Auswahl der Beiträge zu treffen.
  • Sie erhalten bis 15. Januar 2022 Bescheid zur Auswahl Ihres Beitrags mit einem Vorschlag zum definitiven Beitragsformat.
  • Beitragsentschädigung: Pro akzeptiertem Tagungsbeitrag kann eine Person kostenlos an der Fachtagung Klinische Sozialarbeit vom 9./10. Juni 2022 teilnehmen.

Die 11. Fachtagung Klinische Sozialarbeit wird in Olten/Schweiz stattfinden. Die Veranstaltung ist als Präsenztagung geplant vorbehaltlich der epidemiologischen Lage.

Für inhaltliche Fragen oder Anregungen können Sie sich gerne an die Tagungsleitung matthias.huettemann@fhnw.ch oder peter.sommerfeld@fhnw.ch wenden. Für organisatorische Auskünfte steht Ihnen monika.amann@fhnw.ch gerne zur Verfügung.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Beitragseingabe!

Für das Tagungsteam

Prof. Dr. Matthias Hüttemann
Prof. Dr. Peter Sommerfeld

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