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Praxeologie der Klinischen Sozialarbeit

Um psychosoziale Probleme differenziert zu erfassen und angemessen zu bearbeiten, sind spezifische Konzepte, Methoden und Instrumente erforderlich. Die Klinische Sozialarbeit als gesundheitsbezogene Fachsozialarbeit hat den erklärten Anspruch, die Entwicklung von Handlungsmethoden voranzutreiben.
Ca. zwanzig Jahre nach den Anfängen der Klinischen Sozialarbeit im deutschsprachigen Raum ist es Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen und sich über den Stand des methodischen Wissens und Könnens zu verständigen. Von besonderem Interesse sind dabei Zusammenhänge von Handlungslogik und Handlungspraxis, d. h. die Praxeologie(n) Klinischer Sozialarbeit. Beim Thema «Sozialtherapie, Beratung, Case Management – Praxeologie der Klinischen Sozialarbeit» zeichnen sich verschiedene aktuelle oder aktualisierte Herausforderungen ab, die an der Tagung diskutiert und bearbeitet werden sollen: 

  • Die drei zentralen methodischen Konzepte Sozialtherapie, Beratung und Case Management sind in der Methodenliteratur mehr oder weniger elaboriert beschrieben. Eine vergleichende Perspektive eröffnet Anhaltspunkte zu weiteren Prägnanzsteigerungen: Was genau unterscheidet oder verbindet Sozialtherapie, Beratung und Case Management konzeptionell? Sind ausdrückliche Kombinationen der Konzepte wie z. B. das "sozialtherapeutische Case Management" (vgl. Sommerfeld, Dällenbach, Rüegger, & Hollenstein, 2016) weiterführend? Wie werden welche professionellen Standards in der Praxis durchgehalten?
  • Sozialtherapie ist ein Konzept, das vor hundert Jahren erstmals auftauchte (Richmond 1917), in den 60er und 70er Jahren grössere Verbreitung fand, dann weitgehend in den Hintergrund trat und gegenwärtig eine Renaissance erfährt (vgl. z. B. Klinische Sozialarbeit 2017). Der Begriff Sozialtherapie verweist auf das Spannungsfeld zwischen Therapie und Sozialarbeit. Dies kann aktuell wie folgt zugespitzt werden: Wird der Anspruch einer behandelnden Sozialarbeit (Pauls 2011) eingelöst? Sind die sozialtherapeutischen Methoden und Verfahren theoretisch konsistent, erwiesenermassen therapeutisch wirksam, praktikabel und lehrbar?
  • Wirkungsforschung und -evaluation wäre ein nächster, entscheidender Schritt, der zur Konsolidierung und Anerkennung der Methoden klinischer Sozialarbeit beitragen könnte. Die empirische Erforschung der Wirkungsweisen und Effekte des klinischen Handelns von Sozialarbeitenden steht noch weitgehend am Anfang. Geeignete Strategien der Forschung und Evaluation sind anhand vorliegender und geplanter Projekte zu diskutieren.
  • International wird die Methodenentwicklung verstärkt über Interventionsprogramme
    (z. B. Multisystemische Therapie MST) betrieben. Es zeigen sich unterschiedliche fachliche Kulturen: Während hierzulande oft die flexible und situativ variable Anwendung von Methoden betont wird, wird im angelsächsischen Raum eher die Standardisierung und die "Programmidentität" akzentuiert, dass also Programme wie geplant umgesetzt werden. Bedrohen oder befördern Programme die Professionalität? (Wie) können standardisierbare und nicht-standardisierbare Anteile der professionellen Tätigkeit unterschieden und gestaltet werden?
  • Aspekte der Standardisierung werden auch im Kontext der «Ökonomisierungsdebatte» diskutiert. Sowohl Befürworter als auch Kritiker von ökonomischen Managementansätzen, die das methodische Handeln gegenwärtig beeinflussen und teilweise stark überformen, zeigen dabei Tendenzen, Fragen der Wissenschaftlichkeit, der Wirksamkeit und der Wirtschaftlichkeit zu vermischen. Dabei sind theoretisch gut begründete Methoden nicht notwendig wirksam, effektive Methoden nicht notwendig effizient, effiziente Methoden nicht notwendig fachwissenschaftlich fundiert etc. Nur auf der Grundlage eines differenzierten Verständnisses der jeweiligen Perspektive erscheinen Verknüpfungen,
    wie z. B. die von Kosten und Nutzen, weiterführend.
  • Die klinische Sozialarbeit kann sich gesellschafts- und gesundheitspolitischen Entwicklungen nicht entziehen und professionspolitische Positionierungen erscheinen unumgänglich. Die Entwicklung des Gesundheitsberufegesetzes in der Schweiz kann als (weiteres) Indiz dafür gesehen werden, dass eine Marginalisierung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen droht. Neben den fachlichen Kompetenzen braucht es allerdings auch formale Kompetenzen, d. h. Befugnisse, um Methoden anwenden zu können und Menschen wirksam zu helfen. In der interprofessionellen Kooperation werden zunehmend pointiert die Fragen aufgeworfen, welche funktionalen Abgrenzungen, Angrenzungen und Überlappungen vorliegen, wie diese aus Perspektive der Sozialen Arbeit einzuschätzen sind, welche Zuständigkeiten, Rollenzuschreibungen und Kooperationsformen weiterführend, welche dysfunktional sind.


Literatur

Klinische Sozialarbeit. Zeitschrift für psychosoziale Praxis und Forschung. Themenschwerpunkt Sozialtherapie. 13. Jg. Heft 1. 2017.

Pauls, Helmut (2011): Klinische Sozialarbeit. Grundlagen und Methoden psycho-sozialer Behandlung. Weinheim. Juventa.

Richmond, Mary Ellen (1917): Social Diagnosis. New York. Russel Sage Foundation.

Sommerfeld, Peter, Dällenbach, Regula, Rüegger, Cornelia, & Hollenstein, Lea. (2016). Klinische Soziale Arbeit und Psychiatrie. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-11617-0


Beitragsformate

Es können Workshops mit mehreren Beiträgen, Einzelbeiträge und Poster eingereicht werden.

Eingabe

Beiträge bitte bis zum 15. Januar 2018 per vollständig ausgefülltes Eingabeformular an E-Mail einreichen. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an .

Die Anzahl der Beiträge ist beschränkt. Die Arbeitsgruppe Tagung Klinische Sozialarbeit behält sich vor, eine Auswahl der Beiträge zu treffen.

Sie erhalten im Februar 2018 definitiven Bescheid zur Auswahl Ihres Beitrags mit einem Vorschlag zum definitiven Format.

Beitragsentschädigung

Pro ausgewähltem Tagungsbeitrag kann eine Person kostenlos an der Fachtagung Klinische Sozialarbeit vom 14./15. Juni 2018 teilnehmen.

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